Steinmetzschule Pučišća: zu Besuch in der Werkstatt

Steinmetzschule Pucisca Brac

In der Steinmetzschule Pucisca lernen junge Leute, den berühmten weißen Bračer Marmor mit Hammer, Meißel und anderen Werkzeugen kunstvoll in Form zu bringen: der Marmor, der auch in der Fassade des Weißen Hauses in Washington, im Diokletianpalast in Split, im Wiener Stephansdom oder in der Kathedrale von Šibenik verarbeitet worden ist.

Ich nutze meine Zeit beim Lebensfreude-Urlaub auf Brač, einen Abstecher nach Pučišća zu machen.

Den Dalmatien-Reiseführer von Matthias Koeffler habe ich leider zu Hause vergessen. Mit dem Buch im Gepäck wüsste ich nämlich, dass nur an Donnerstagen Führungen durch die Steinmetzschule in Pučišća angeboten werden. Ich erreiche den malerischen Hafenort mit den Renaissance- und Barockpalästen an einem Mittwochnachmittag.

Steinmetzschule Pucisca Klekarska Skola
Foto: Kroatien-Liebe

IN DER WERKSTATT DER STEINMETZSCHULE PUCISCA

Steinmetzschule Pucisca
Foto: Kroatien-Liebe

Die Klekarska Škola ist ein imposantes, palastartiges Bauwerk am Ufer der langgezogenen Hafenbucht. Im Gebäude finde ich nur Unterrichtsräume vor – nichts, was darauf hindeutet, dass in der Steinmetzschule Pucisca Besichtigungen möglich wären. Auf dem Flur begegnet mir zum Glück eine Mitarbeiterin, die mir sagt, dass in der Werkstatt Besucher willkommen seien.

Ich gehe noch einmal durch den Haupteingang nach draußen. Die Werkstatt befindet sich rechts davon, ihre Tür steht weit offen. Drinnen wird fleißig gewerkelt: Kernige Jünglinge – schätzungsweise kaum älter als 20 – verwandeln viereckige weiße Marmorblöcke mit Handwerkzeugen in Rosetten, Ornamente, Skulpturen, Brunnen, Schalen und Vasen. Zwei der Schüler scheinen gerade Pause zu machen. Sie freuen sich über den Besuch und lachen vergnügt in meine Kamera. Andere sind konzentriert in ihr Handwerk vertieft, während ich ihnen dabei über die Schulter schaue.

Steinmetzschule Pucisca Werkstatt
Foto: Kroatien-Liebe

FAKTEN ÜBER DIE KLEKARSKA ŠKOLA AUF BRAČ

Viele junge Männer haben hier vor ihnen eine Ausbildung zum Steinmetz absolviert: Die Klekarska Škola existiert bereits seit dem 5. Januar 1909. Seit 1956 gibt es ein Studentenwohnheim mit 56 Betten und jedes Jahr beginnen zwei Klassen mit jeweils 25 Schülern eine Ausbildung zum „Steinmetz-Techniker“. Die Berufsbezeichnung „Steinmetz“ kann man an der Steinmetzschule Pucisca schon nach drei Jahren erlangen.

Im Schuljahr 2014/15 haben 84 Schüler aus ganz Kroatien ihre Ausbildung gestartet, darunter nur zwei Mädchen.

22 Lehrer sind für den Unterricht in Theorie und Praxis zuständig, wobei der Schwerpunkt auf Manufakturarbeit in der Werkstatt liegt. Das Motto der Schule lautet: „Moj je posol častan i fin, mene zovu škarpelin.“ Frei ins Deutsche übersetzt bedeutet dieser Satz: „Mein Beruf ist ehrbar und rein. Man nennt mich Steinmetz.“

Seit 1989 organisiert die Steinmetzschule Pucisca internationale Versammlungen von Steinmetzen.

Schüler in der Steinmetzschule Pucisca Brac
Foto: Kroatien-Liebe

DER BRAČER MARMOR

Die Klekarska Škola bezieht die schneeweißen Marmorblöcke von der Firma Jadrankamen („Adriastein“). Diese Kooperation hat eine lange Tradition. Sie dauert schon seit der Gründung der Schule an.

Der begehrte weiße Stein wird auch als „Veselje“ bezeichnet – wie das Gebiet rund um die Steinmetzschule. Obwohl die Bildungseinrichtung erst im frühen 20. Jahrhundert gegründet worden ist, betrieben bereits die Römer Steinabbau auf Brač und exportierten den Marmor in die Welt. Die heutigen Prachtbauten in Pučišća zeugen vom Reichtum, den der Stein dem Ort beschert hat. (as)

Steinmetzschule Pucisca
Foto: Kroatien-Liebe

Autor

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Annika Senger
Annika Senger ist Gründerin und Chefredakteurin des Reise- und Kulturportals Kroatien-Liebe. Die passionierte Bloggerin und Reisevermittlerin interessiert sich für Reisen, Musik, Literatur, Sprachen, Kochen und Fotografie.
Adresse: Berlin, Deutschland

Kommentare

26. September 2016
Danke für diesen schönen Bericht. Beim nächsten mal möchte ich mir endlich diese Schule auch mal anschauen! lg Belinda
Annika Senger
26. September 2016
Ja, Belinda, das lohnt sich!
Hans Leitner
26. September 2016
Hallo Annika, toller Bericht, sehr schöne Fotos und es war schön, das alles mit dir zu erleben. Liebe Grüße, Hans

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