Lebensfreude-Seminar auf Brač: eine besondere Kroatien-Reise

Lebensfreude-Seminar auf Brac

Das Lebensfreude-Seminar auf Brac war für mich ein Abenteuer: Ich hatte diese Kroatien-Reise mit der österreichischen Lebensberaterin Belinda Zaborsky (SEElen-Tankstelle) in der Kategorie Reisen beworben und war schließlich als Bloggerin eingeladen worden, daran teilzunehmen und meine Eindrücke mit Euch Lesern zu teilen.

Kroatien bedeutet für mich immer Lebensfreude. Ein Seminar mit Themen wie Familienstellen, Meditation, Innere Kind- und Spiegelgesetz-Arbeit fällt bei mir auch auf fruchtbaren Boden, weil ich mich schon seit längerer Zeit mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftige. Um eines vorab zu klären: Das Lebensfreude-Seminar auf Brač ist ein Seminar für ganz „normale“ Menschen mit ganz „normalen“ Stärken und Schwächen. Wer unter schwereren psychischen Problemen leidet, ist sicherlich in einer therapeutischen Maßnahme besser aufgehoben.

Für mich war die gemeinsame Woche mit Belinda und den anderen Seminar-Teilnehmern trotzdem eine Art Therapie: Ich bin nämlich, so glaubte ich, kein Gruppenmensch und passe mich seit meiner Kindheit nur schwer anderen Menschen an. Das Lebensfreude-Seminar auf Brac hat mir bewiesen, dass es in einem freundlichen, aufgeschlossenen Umfeld trotzdem funktionieren kann.

Lebensfreude-Seminar auf Brac
Foto: Kroatien-Liebe

Willkommens-Essen im Sonnenuntergang

Auf dem Katamaran von Split nach Bol habe ich ein leicht mulmiges Gefühl im Bauch. „Schon wieder eine Gruppenreise! Kann das gut gehen? Was sind das überhaupt für Menschen?“, denke ich.

Belinda und ihr Lebenspartner Hannes empfangen mich dann aber sehr herzlich am Hafen. Belinda winkt mir schon von Weitem zu, so dass ich sie gar nicht verfehlen kann. Auf dem Weg zu unserer privaten Unterkunft erzählt sie mir, wer sonst noch alles am Seminar teilnimmt und dass ich mein Zimmer mit einer Frau namens Elisabeth teilen würde.

Bevor ich nach der langen Anreise mit Bahn, Bus und Fähre todmüde ins Bett falle, lernen wir uns alle bei einem gemeinsamen Spaghetti-Essen auf dem Balkon mit Meerblick kennen. Wir – das sind Belinda und Hannes, meine Zimmerpartnerin Elisabeth, Ulrike (Ulli), Hans und das Pärchen Karin und Daniel. Außer mir kommen alle aus Österreich. Man hört es am Dialekt!

Belinda und Hannes haben wunderbar vegetarisch gekocht: Es gibt Spaghetti mit Tomaten-Oliven-Soße. Wir sitzen zu acht an einem großen Tisch und können uns bei dem leckeren Essen ein wenig beschnuppern, während die Sonne in unserem Blickfeld im Meer versinkt.

Nach dem Willkommens-Essen lädt uns Belinda zu einer ersten Übung ein: Auf dem Fußboden des Seminarraums hat sie Bildkarten ausgebreitet. Jeder einzelne ist nun aufgefordert, die drei Bilder zu ziehen, die ihn am meisten ansprechen und der Gruppe die Motiv-Auswahl zu erklären. So bekommen wir Gelegenheit, uns und unsere aktuelle Lebenssituation kurz vorzustellen. Ich mache keinen Hehl daraus, dass in meinem Leben Veränderung und Reiselust auf der Tagesordnung stehen.

Konflikt statt Lebensfreude in der ersten Nacht

Foto: Kroatien-Liebe
Foto: Kroatien-Liebe

Die Reiselust vergeht mir in der ersten Nacht gründlich. Ich wünsche mir mein eigenes Bett herbei, das ich seit Ewigkeiten mit niemandem geteilt habe – schon gar nicht mit einer Schnarcherin. Elisabeth ratzt wie eine Motorsäge und ich habe meine Ohrstöpsel vergessen! Unser Nachtlager ist auch kein King Size-Bett, wo ich mich hinfläzen kann wie zu Hause. Völlig frustriert und verärgert mache ich kein Auge zu, während Elisabeth lautstark neben mir schlummert.

Mitten in der Nacht tippe ich sie an und gebe ihr zu verstehen, wie sehr mir ihre Töne den Schlaf rauben. Am nächsten Morgen verkündet sie der Gruppe, dass ich ihr damit den Schrecken ihres Lebens eingejagt hätte. Meiner Meinung nach gibt es jetzt nur zwei Lösungen: Entweder ich suche mir eine andere Unterkunft oder ich besorge mir ein Paar Ohrstöpsel. Ich entscheide mich für Ohrstöpsel.

Nachdem ich mir die Stöpsel in der zweiten Nacht in die Ohren gestopft habe, schlafe ich wie ein Baby. Am nächsten Morgen nehme ich Elisabeth versöhnlich in die Arme und der Rest unserer gemeinsamen Zeit in Kroatien läuft dann ganz harmonisch ab.

Was lerne ich daraus? So ein Lebensfreude-Seminar auf Brac kann auch Aufgaben zur Konfliktbewältigung mit anderen Menschen beinhalten!

Lebensfreude-Seminar auf Brac: die Inhalte

Ein Chain Walk durch Bol

Am Morgen des ersten Tages in Bol zeigt sich der Himmel leicht bewölkt. Der Wetterbericht sagt für den Nachmittag Regen und Bura an. Belinda schlägt vor, dass wir uns erst später im Seminarraum versammeln und mit einem Chain Walk durch Bol in den Tag starten.

Ein Chain Walk? Was ist das? Ich habe noch nie davon gehört! Die Aufgabe erweist sich als einfach: Wir spazieren schweigend im Gänsemarsch hintereinander her. Ein Mitglied der Gruppe führt für zehn Minuten, gibt dann die Führung an den jeweils nächsten in der Reihe ab und reiht sich selber hinten ein. Das Ziel des Chain Walks ist das Meer. Daniel und Karin klinken sich aus der Übung aus, so dass wir ein Zeitfenster von 60 Minuten haben.

„Eigentlich möchte ich ganz woanders spazieren gehen“, denke ich, immer noch müde von der schlaflosen Nacht. „Wenn ich selbst entscheiden könnte, liefe ich doch nicht durch diese langweilige Wohnsiedlung!“

Der Chain Walk verdeutlicht mir, dass ich ungern Führung an ein Team abgebe. Nach 60 Minuten im Gänsemarsch bin ich trotzdem positiv überrascht: Obwohl es nicht so geplant war, landen wir beim malerischen Kloster von Bol. Es liegt direkt am Strand. Wir setzen uns dort in ein Café und diskutieren über unsere persönlichen Gefühle beim Chain Walk. Ich bin überrascht, wie deutlich solch eine einfache Übung unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen ans Licht bringen kann!

Lebensfreude-Seminar auf Brac Kroatien
Foto: Kroatien-Liebe

Das Spiegelgesetz

Der Wetterbericht hat leider voll ins Schwarze getroffen – im wahrsten Sinne des Wortes: Schon als ich vom Baden zurückkomme, zersaust mir der kalte Nordwind Bura die Haare. Die dunkle Wolkenfront entlädt sich glücklicherweise erst bei der Seminar-Einheit zum Thema Spiegelgesetz.

Das sogenannte Spiegelgesetz dient der Selbstreflexion: Alles was mich an anderen stört, verletzt, aufregt oder in Wut geraten lässt, habe ich in mir selbst. Alles was ich kritisiere, bekämpfe, unterdrücke oder unbedingt verändern will, kritisiere und unterdrücke ich in Wirklichkeit in mir. So das Spiegelgesetz.

Wenn ich stattdessen von anderen kritisiert, bekämpft oder verletzt werde und es mich berührt, bekomme ich etwas von außen gespiegelt, was in mir noch nicht erlöst ist. Berührt es mich dagegen nicht, zeigt es mir, dass der andere seine eigenen Unzulänglichkeiten, die er in mir sehen möchte, auf mich projiziert. Auch das ist Spiegelgesetz.

Ehe eine Teilnehmerin ein persönliches Anliegen mit dem Spiegelgesetz analysiert, nehmen wir es als Basis, um ein politisches Thema zu diskutieren. Mir offenbart sich dabei ein völlig neuer Blickwinkel auf die Welt.

Foto: Kroatien-Liebe
Foto: Kroatien-Liebe

Familienstellen

Mit dem Thema Aufstellen bin ich in den letzten Jahren immer mal wieder in Berührung gekommen. Jede Aufstellung zeigt mir auf eindrucksvolle Weise, dass alle Menschen energetisch miteinander verbunden sind.

Belinda praktiziert beim Lebensfreude-Seminar auf Brac verdeckte Aufstellungen, d.h. diejenigen, die für den Aufstellenden eine Rolle übernehmen (sei es der Vater, das Kind oder der Partner) wissen nicht, wen sie darstellen. Genauso wenig ist der Aufstellende anfangs im Bilde, wem in der Aufstellung welche Rolle zugeteilt worden ist.

Aufstellungen können der Klärung persönlicher Konflikte dienen und Fragen beantworten. Ein Beispiel: Ich möchte endlich meine Bindungsangst überwinden. Eine Aufstellung deutet an, woher die Angst kommt und wie sie sich abbauen lässt.

In allen Aufstellungen beim Lebensfreude-Seminar auf Brac kochen starke Emotionen hoch – auch bei mir: Einmal fließen tatsächlich heiße Tränen, die älter wirken als ich selbst und plötzlich aus mir ausbrechen wie ein Lavafluss.

Lebensfreude-Seminar auf Brac
Foto: Kroatien-Liebe

Laising zum Thema Liebe

Wie es der Zufall (?) will, drehen sich die Aufstellungen allesamt um das Thema Liebe: Liebe zu sich selbst, Liebe zu einem bestimmten Menschen oder zu einem Land. Wissen wir aber wirklich, was der Begriff Liebe bedeutet?

Belinda bietet uns Laising an, eine besonders intensive Form des Brainstormings zu einem Gefühl, das Klärung bedarf. Bei unserer Laising-Session steht die Liebe im Mittelpunkt. Jeder darf seine persönlichen Assoziationen zum Thema Liebe äußern und Belinda schreibt sie auf ein Flipchart.

Nach und nach nähern wir uns so dem abstrakten Begriff, mit dem alle etwas anderes verbinden.

Meditation

Bei so viel Gefühl ist es notwendig, einen ruhenden Gegenpol zu schaffen: Belinda nimmt die Gruppe mit auf eine Meditation, die ich als Reise nach innen wahrnehme. Wir meditieren draußen auf der Terrasse. Ich werde angenehm ruhig und entspanne in einer Art Trance-Zustand. Hinter meinen geschlossenen Augen schwirren unterschiedlichste Landschaften von Kroatien an mir vorbei. Belindas Stimme driftet immer weiter von mir weg. Ich habe das Gefühl zu schweben.

Beim anschließenden Gedankenaustausch mit der Gruppe berichten alle von einem ähnlichen Zustand. Nur die Bilder in den Köpfen unterscheiden sich voneinander.

Lebenfreude-Seminar auf Brac
Foto: Kroatien-Liebe

Lebensfreude-Seminar versus Freizeit

Die Seminar-Einheiten, in denen Aufstellungen einen Großteil der Zeit einnehmen, dauern etwa vier Stunden pro Tag. Kein Gruppen-Mitglied ist jedoch verpflichtet, an allen Sitzungen teilzunehmen oder bis zum Ende zu bleiben.

Jeder hat die Freiheit, den Kroatien-Urlaub so zu gestalten, wie es den eigenen Vorlieben und Wünschen entspricht. Anders würde es nicht funktionieren, denn die Teilnehmer sind recht unterschiedlich gestrickt. Gruppen-Mitglied Hans und ich haben beide den Drang, möglichst viel zu unternehmen und die Insel Brač auf eigene Faust zu erkunden. Also schließen wir uns zusammen, mieten uns an einem Tag Fahrräder und an einem anderen einen Motorroller.

Andere wollen lieber baden oder Zeit allein verbringen. Wieder andere glauben, die Seminar-Zeiten seien zu knapp bemessen.

Foto: Kroatien-Liebe
Foto: Kroatien-Liebe

Die Seminarleiterin Belinda Zaborsky

Trotz unterschiedlicher Befindlichkeiten gelingt es Belinda, die Gruppe eine Woche lang zu führen. Ich habe sie als sehr lebensfrohen, energiegeladenen, extrovertierten Menschen erlebt. Sie hat mit ihrer lockeren, zielgerichteten Art genau die richtigen Kompetenzen, eine Gruppe mehrere Tage auf engem Raum bei Laune zu halten.

Am vierten Tag ist das Wetter so schön, dass die wenigsten wirklich Lust verspüren, eine Seminar-Session über sich ergehen zu lassen. Also nimmt uns Belinda mit auf eine Inselrundfahrt in ihrem eigenen Auto. Sie ist flexibel und immer offen für Vorschläge – genau das, was man sich von einer Seminar-Leiterin als Teilnehmer wünscht.

Foto: Kroatien-Liebe
Foto: Kroatien-Liebe

Die Gruppe beim Lebensfreude-Seminar auf Brac

Wie bereits erwähnt, setzt sich sich die Gruppe beim Lebensfreude-Seminar auf Brac aus teilweise sehr unterschiedlichen Individuen zusammen. Elisabeth zum Beispiel ist gerne für sich oder verbringt abends ab und zu Zeit mit ihren Eltern, die ebenfalls in Bol Urlaub machen. Daniel und Karin wünschen sich möglichst oft Zweisamkeit als Paar und Ulli hätte am liebsten ständig Seminar.

Trotz unterschiedlicher Bedürfnisse entsteht für mich ein Gefühl von Gemeinschaft, wie ich es selten mit wildfremden Menschen erlebt habe. Morgens frühstücken wir zusammen, abends gehen wir manchmal gemeinsam essen und wenn man auf all das keine Lust hat, ist es auch in Ordnung, sein eigenes Ding zu machen. In dieser Konstellation, in der Freiheit und Zusammensein so ausgeglichen sind, fühle ich mich rundum wohl.

Die einen freunden sich an, die anderen lassen sich auf einen Urlaubsflirt ein und manche sind sich gegenseitig nicht besonders sympathisch. Auch wenn letzteres der Fall ist, arrangiert man sich freundlich miteinander.

Gruppe beim Lebensfreude-Seminar auf Brac
Foto: Kroatien-Liebe

Persönliches Fazit einer Kroatien-Reise

Dass ich beim Lebensfreude-Seminar auf Brac dabei sein durfte, betrachte ich als Geschenk, für das ich Belinda und dem Leben aus vollstem Herzen danke. Ich, die geborene Einzelgängerin, habe mich selbst in einem neuen Licht wahrgenommen.

Ich weiß jetzt, dass ich mich durchaus als vollwertiges Mitglied einer Gruppe fühlen kann, wenn man mir meine Freiheiten lässt und mich so akzeptiert wie ich bin.

In diesem Sinne war es für mich ein durch und durch harmonischer Kroatien-Urlaub, den ich gerne wieder bei Kroatien-Liebe anbiete. (as)

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Autor

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Annika Senger
Annika Senger ist Gründerin und Chefredakteurin des Reise- und Kulturportals Kroatien-Liebe. Die passionierte Bloggerin und Reisevermittlerin interessiert sich für Reisen, Musik, Literatur, Sprachen, Kochen und Fotografie.
Adresse: Berlin, Deutschland

Kommentare

Hans Leitner
12. September 2016
Liebe Annika, wow, du hast voll ins Schwarze getroffen mit deinem Artikel. Besser hätte man es nicht schreiben können. Es war eine wunderbare Woche mit der Gruppe aber vor allem auch wegen dir, einer ganz bezaubernden und liebenswerten Frau. Tolle Erfahrungen und wunderschöne Erlebnisse, von denen man noch lange zehren kann. Ganz liebe Grüße, Hans
Annika Senger
12. September 2016
So was hört die bezaubernde, liebenswerte Frau gerne!
Johanna
12. September 2016
Liebe Annika, das klingt nach einer tollen Erfahrung. Besonders gefällt mir, dass dieses Seminar für "normale" Leute ist. Viele andere Angebote konzentrieren sich sehr auf (vermeintliche) Defizite der Teilnehmer, die kreisen dann um sich selbst und können den Urlaub und die gemeinsame Erfahrung gar nicht geniessen. Gruß Johanna

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