Kroatien per Bahn? Schienennetz verliert im EU-Vergleich

Kroatien per Bahn bereisen

Die österreichische Bahn betreibt einen Eurocity, der München mit Zagreb bzw. mit Opatija und Rijeka verbindet. Wer nicht immer mit dem Flugzeug anreisen möchte, kann alternativ einen Platz im ÖBB Nightjet reservieren. Er bietet Sitzplätze, Liege- und Schlafwagen. Aber macht es wirklich Spaß, Kroatien per Bahn zu bereisen? Oder sollte man nach der Ankunft des Nachtzugs besser ein anderes Verkehrsmittel zur Fortbewegung wählen?

Laut einem aktuellen Bericht der Europäischen Kommission landet das kroatische Schienennetz im EU-Vergleich an letzter Stelle. Außerdem kritisiert die Europäische Union, dass sich bestimmte Verkehrsprojekte wie der Bau der Eisenbahnlinie Dugo Selo-Križevci verzögern. Derweil punktet Kroatien mit einem modernisierten Straßennetz, von dem Autofahrer auf Reisen profitieren. Mehr PKWs auf den Straßen bedeuten jedoch einen Anstieg der CO2-Emissionen – für den Umweltschutz alles andere als förderlich!

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Kroatien per Bahn käme dem Umweltschutz zugute

Ein Sprecher der Europäischen Kommission für Verkehr, Enrico Brivo, erklärte: „Im Bereich der erneuerbaren Energien befindet sich Kroatien allgemein im guten Bereich, aber im Verkehrssektor sollte noch mehr getan werden. Es hat sich gezeigt, dass nur sehr wenige Einrichtungen vorhanden sind, um Elektroautos anzuschließen. Wir brauchen eine Infrastruktur, die sich diesen Bedürfnissen anpasst.“

Die Bedürfnisse von Bahn-Touristen werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur mangelhaft erfüllt. Viele Jugendliche unter 26 lieben Interrail – das preiswerte Ticket, mit dem man im Zug quer durch die Länder seiner Wahl düsen kann. Von Kroatien per Bahn rate ich ab. Die kroatische Eisenbahn ermöglicht weitaus weniger Verbindungen als die zahlreichen Fernbus-Unternehmen im Land. Außerdem gelangt man mit dem Bus häufig schneller von A nach B.

Schienennetz in Kroatien
Bahnschienen, Foto: analogicus / Pixabay

Langsame Bahnverbindungen in Kroatien

Man betrachte als Beispiel die Strecke von Zagreb nach Varaždin. Der Zug legt sie – je nach Verbindung – in mindestens zwei Stunden zurück. Die meisten Eisenbahnen pro Tag benötigen zweieinhalb bis über drei Stunden.

Ist man auf dieser Strecke per Bus unterwegs, dauert die schnellste Direktverbindung eine Stunde und 20 Minuten. Selbst wenn der Fahrer durch die Dörfer im Zagorje tuckert und an jeder Milchkanne stoppt, hat man nach rund zwei Stunden trotzdem sein Ziel erreicht.

Apropos Zagorje: Ich habe schon ein paar Male mit der Bimmelbahn einen Ausflug in die Region hinter dem Gebirgszug Medvednica gemacht. Immer hatte ich den Eindruck, dass ich auf dem Fahrrad wahrscheinlich ein ähnliches Tempo draufgehabt hätte. Obwohl ich lieber mit dem Zug durch Kroatien reisen würde, bleibt mir somit nichts anderes übrig, als den Mangel an Bewegungsfreiheit im Fernbus in Kauf zu nehmen.

Ob Kroatien dieses Jahr wohl effektiv in sein Schienennetz investiert? Die stellvertretende Generaldirektorin der Europäischen Kommission für Mobilität und Verkehr, Maja Bakran Marcich, betonte: „Wir haben eine goldene Regel, wenn es um die Finanzierung geht und sie heißt: Nutze das Geld oder verliere es. Dieses Jahr ist für Kroatien sehr bedeutend. Wenn Kroatien nicht zeigen kann, dass es das Geld sinnvoll einsetzt, fürchte ich, dass die Finanzierung für Kroatien gekürzt wird.“ (as)

Titelbild: Viktor Hanacek / Picjumbo

Autor

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Annika Senger
Annika Senger ist Gründerin und Chefredakteurin des Reise- und Kulturportals Kroatien-Liebe. Die passionierte Bloggerin und Reisevermittlerin interessiert sich für Reisen, Musik, Literatur, Sprachen, Kochen und Fotografie.
Adresse: Berlin, Deutschland

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