Wenn man an einem etwas wolkenverhangenen Tag an einem Bootsausflug zu den Kornati Inseln teilnimmt, präsentiert sich Kroatien von einer herben Seite, die an den Norden Schottlands erinnert.

Der Nationalpark Kornati erstreckt sich über mindestens 125 Inseln (Quellenangaben variieren!) zwischen den Städten Zadar im Norden und Šibenik im Süden. Die größte Insel heißt Kornat, der Verwaltungssitz der Kornaten befindet sich allerdings auf der Insel Murter.

Bootsausflüge ab Murter

Im Hafen des malerischen Städtchens Murter gehe ich am 15. Juni 2015 an Bord der Barbarinac, die ich auf dem Rückweg sogar höchstpersönlich durch die karge Inselwelt steuern darf.

Während der Fahrt lümmele ich mich hauptsächlich am Bug des Schiffes, wo ich glückselig alle Viere von mir strecke und die verkarsteten, von gelbbraunen Gräsern überwucherten Kornati Inseln fotografiere. Vor meinen Augen tut sich eine Ödlandschaft mit Geröll, Felsen und ein paar verwaisten Sträuchern auf.

Der Großteil dieser Inseln des Naturschutzgebiets ist von Menschen unbewohnt, bietet aber Brutplätze für Meeresvögel. Ansonsten gibt es auf den steinigen Feldern so gut wie keine Fauna.

Gipfelwanderung auf Kornat

Bei einer Siedlung auf Kornat legt die Barbarinac einen Zwischenstopp ein – für meine Wandergruppe, damit wir nach bereits dreistündiger Bootstour den Gipfel erklimmen können. Die restlichen Ausflugsteilnehmer schippern weiter zu einer Einkehr-Möglichkeit.

In meiner meditativen Entspannung am Bug tue ich mich schwer, wieder in die fetten Wanderschuhe zu schlüpfen und mich körperlich anzustrengen. Der Weg zur phänomenalen Aussicht über die Kornati-Inseln führt über teilweise wackeliges Geröll. Wer keine Wanderstöcke im Gepäck hat, muss jeden seiner Schritte gründlich planen, vor allem beim Abstieg.

Vegetation auf den Kornati Inseln

Blick auf die Kornati Inseln
Foto: Kroatien-Liebe

Obwohl ich mich eigentlich viel zu schlapp für eine Wanderung über Stolpersteine fühle, genieße ich den Blick in Richtung Meer, das aus der Ferne eher grau als türkis wirkt. Beinahe surrealistisch ragen kleinere und größere Inseln aus dem Wasser. Die wenigen Bäume bilden dunkle Kontraste auf den teils flachen, teils spitz zulaufenden Inselrücken.

Auf den Kornaten soll es Oliven- und Feigenbäume und sogar einige Weinstöcke geben. Wegen des rauen Flairs würde es mich aber kaum überraschen, wenn am Horizont ein Schiff mit Wikingern auftauchte. Oben auf dem Berg, wo ein frisches Lüftchen weht, wähne ich mich fast in dem Glauben, durch ein Zeitloch in die schottischen Highlands geraten zu sein.

Erst nach dem mühsamen Abstieg unten an der Siedlung wird mir bewusst, immer noch in Kroatien zu verweilen. Das grünblaue, bei den Kornaten besonders fischreiche Meer lockt mich wieder zum Baden an. Ein paar ausgemergelte Strandkatzen lassen sich vom Reiseleiter mit dem extra für sie mitgebrachtem Fisch füttern.

Ich freue mich über das erfrischende Nass jenseits der Touristenstrände, bis die Barbarinac nach Kornat zurückkehrt und mich mitsamt der Gruppe aufgabelt. Mein Platz am Bug ist übrigens noch frei. (as)

Autor

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Annika Senger
Annika Senger ist Gründerin und Chefredakteurin des Reise- und Kulturportals Kroatien-Liebe. Die passionierte Bloggerin und Reisevermittlerin interessiert sich für Reisen, Musik, Literatur, Sprachen, Kochen und Fotografie.
Adresse: Berlin, Deutschland

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