Radtour auf Lastovo: auf zwei Rädern über die Berge

Radtour auf Lastovo

In keine andere kroatische Insel habe ich mich so verliebt wie in diese. Nach meinem ersten Besuch im Juni 2018 ist klar, dass ich mehr von ihr sehen will: bei einer Radtour auf Lastovo. Wieder übernachte ich im Hotel Solitudo in Pasadur, wo ein paar Meter von der Haustür entfernt Mountainbikes vermietet werden.

Mit dem Verleih nehme ich per WhatsApp Kontakt auf und mache eine Uhrzeit für die Fahrradübergabe aus. Der Mann ist nämlich nicht die ganze Zeit vor Ort. Die Leihgebühren sind fair: 65 Kuna für sechs Stunden, 85 Kuna für zwölf. Wer einen Tag auf Lastovo radeln will und kein eigenes Fahrrad mitbringt, zahlt also knapp unter oder knapp über zehn Euro.

Wie lange ich unterwegs sein werde, weiß ich noch nicht. Der Verleiher nimmt erst einmal 50 Kuna als Anzahlung entgegen. Und bei diesem Betrag bleibt es auch: Als ich nach siebeneinhalb Stunden zurück nach Pasadur komme, schreibt er mir, ich solle das Fahrrad einfach zu den anderen stellen – ohne mir weitere Gebühren zu berechnen.

Radtour auf Lastovo mit paradiesischen Panoramen

Mit Radler-Klamotten, Helm und Action Cam ausgestattet schwinge ich mich in den Sattel und fahre ins drei Kilometer entfernte Ubli, wo die Fähren aus Split anlegen. Auf dieser kurzen Strecke kann ich gar nicht anders als ein paar Minuten anzuhalten, um die vorgelagerten grünen Inselchen und das kräftig türkis leuchtende Meer auf mich wirken zu lassen. Mehr von solchen paradiesischen Panoramen eröffnen sich mir auf dem Schotterweg nach Zaglav – den ich mich anschließend wieder bergab rollen lasse.

Ubli ist für Radfahrer ein strategisches Ziel. Es gibt zwei Supermärkte, in denen man sich mit Wasservorräten eindecken kann. In Pasadur habe ich außerhalb von Bars und Konobas vergeblich versucht, stilles Wasser zu besorgen. Ein Laden für Lebensmittel existiert dort nicht! Das Leitungswasser riecht stark gechlort, so dass ich es nur zum Waschen verwende.

Zaklopatica auf Lastovo
Aussicht bei Zaklopatica, Foto: Kroatien-Liebe

Vorsicht, steile Berge aus Lastovo!

Immer wieder lechze ich bei meiner Radtour auf Lastovo nach Flüssigkeit, denn schon bald stellt sich heraus, dass es die anstrengendste Fahrrad-Partie meines bisherigen Lebens ist. Und ich habe 2019 ganz viele Kilometer auf zwei Rädern gefressen! Am Ortsausgang von Ubli führt die Straße bergauf. Das bleibt auch mehrere Kilometer so, bis man sich kurz vor der Abzweigung nach Zaklopatica den Berg in den Hauptort Lastovo hinabrollen lassen kann.

Ich biege links ab. Das Fischerdorf Zaklopatica ist zu idyllisch, um es im wahrsten Sinne des Wortes links liegen zu lassen. Es folgt eine rasante Abfahrt mit scharfen Kurven und ich weiß, dass es nur einen Weg zurück gibt – den gleichen. Die Schönheit der maritimen Landschaft ist mir jede Anstrengung wert. Um meine Kräfte zu schonen, stoppe ich oft und lasse den Blick samt Kamera umherschweifen. Schließlich brauche ich kein Fahrradrennen zu gewinnen. Ich gelange schneller nach Zaklopatica als zurück auf die Hauptstraße nach Lastovo.

Aber ich schaffe es und strampele durch den Bilderbuch-Ort, wo gerade Kinder von der Schule nach Hause kommen. Auf dem Kirchplatz läuft mir ein über beide Ohren strahlendes Mädchen entgegen und sagt mir hallo: „Bok!“

Blick auf Lastovo, Kroatien
Stadt Lastovo, Foto: Kroatien-Liebe

Mittagspause in Skrivena Luka

Mich zieht es weiter nach Skrivena Luka, dem versteckten Hafen mit Marina und Restaurant, wo ich essen möchte. Das Lokal hat mir der Fahrer des Hotels, Anto, bei unserer Insel-Rundfahrt 2018 wärmstens empfohlen. Der Wegweiser in Lastovo zeigt mir sieben Kilometer an – ein Katzensprung, den ich in ebenem Gelände minutenschnell zurücklege. Bei meiner Radtour auf Lastovo dauert alles ein bisschen länger. Dass die Strecke von heftigen An- und Abstiegen geprägt ist, habe ich seit meinem vorigen Besuch vergessen. Damals saß ich gemütlich in Antos Minibus. Die Reise ging sogar noch weiter zum Leuchtturm Struga, den ich jetzt lediglich aus der Ferne betrachte.

Als ich beim Restaurant in Skrivena Luka ankomme, hängt mir der Magen bis in die Kniekehlen. Ich stärke mich mit dalmatinischem Käse und Tomatensalat und hechele nach ausgedehnter Entspannung zurück auf den Berg.

Aussicht auf Lastovo, Kroatien
Blick auf den Leuchtturm Struga, Foto: Kroatien-Liebe

Rasante Abfahrt vom Gipfel Hum

Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass ich die ganze Zeit in die Pedale trete. Bei besonders steilen Anstiegen ist Schieben angesagt, vor allem auf der steinigen Abzweigung zum Gipfel Hum mit dem Helikopter-Landeplatz. Ich wünsche mir sehnlichst ein E-Bike mit Geländereifen herbei, doch Jammern hilft hier nicht weiter. Ich habe das Abenteuer selbst gewollt, also stehe ich es auch bis zum Ende durch.

Je höher ich mit dem Mountainbike den Berg erklimme, desto mehr freue ich mich auf die Abfahrt von Hum nach Ubli. Oben erwartet mich ein Tisch mit zwei Bänken – der perfekte Rastplatz für ein Picknick. Ein paar Minuten ruhe ich mich aus und klopfe mir auf die Schulter, die Herausforderung Lastovo gemeistert zu haben.

Nun kann ich mich kilometerweit nach unten treiben lassen. Im Sattel genieße ich die fantastische Aussicht und habe bereits den nächsten Plan: ein erfrischendes Bad in der Adria. Im folgenden Video hast Du die Möglichkeit, ohne körperliche Strapazen meine Radtour selbst zu erleben. In Natura ist die Landschaft allerdings viel spektakulärer. (as)

Autor

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Annika Senger
Annika Senger ist Gründerin und Chefredakteurin des Reise- und Kulturportals Kroatien-Liebe. Die passionierte Bloggerin und Reisevermittlerin interessiert sich für Reisen, Musik, Literatur, Sprachen, Kochen und Fotografie.
Adresse: Berlin, Deutschland

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