Uwe Mauch: Zagreb-Reiseführer für Architektur-Freaks

Zagreb Reiseführer Uwe Mauch

Dieser Kroatien-Ratgeber widmet sich ganz der Hauptstadt und deren hügeligem, grünen Umland: Der Wiener Kurier-Redakteur Uwe Mauch hat im Berliner Trescher-Verlag einen umfangreichen Zagreb Reiseführer veröffentlicht, der dieses Jahr bereits in vierter Auflage auf den Markt gekommen ist. Der erste im deutschsprachigen Raum!

Dem Autor mehrerer Reportage-Bücher ist bewusst, dass Zagreb im Vergleich zu Budapest, Prag oder Wien eher zu den unbekannteren europäischen Hauptstädten gehört, gleichzeitig sieht er aber den aktuellen Wandel. Seit der Zagreber Weihnachtsmarkt dreimal in Folge von European Best Destinations zum schönsten in Europa gekrönt worden ist und Kroatiens größte Stadt bei Lonely Planet’s Best in Europe 2017 als Nummer eins auf dem Siegertreppchen stand, mausert sich Zagreb zu einem ernst zu nehmenden touristischen Ziel.

Plattenbauten in Zagreb
Foto: Robert Marinkovic / Pixabay

Zagreb Reiseführer mit Hintergrundwissen

Zagreb Reiseführer Uwe MauchWer den Zagreb Reiseführer von Mauch mit auf einen Städtetrip nimmt, sollte sich dringend für Architektur, Bildhauerei und Kirchengeschichte interessieren. Der Autor kennt nicht nur sämtliche Entstehungsgeschichten der architektonischen Schönheiten im Stadtzentrum, er weiß auch über die sozialistischen Plattenbauten von Novi Zagreb Bescheid.

Bei seinen niedergeschriebenen Stadtspaziergängen fallen immer wieder Namen von bedeutenden Architekten und Bildhauern wie Hermann Bollé, Bartol Felbinger, Anton Dominik Fernkorn oder Ivan Meštrović. Mauch gelingt es damit einerseits, das Zagreb-Wissen seiner Leserschaft mit einer Flut an Informationen aufzustocken. Andererseits langweilt sein sperriger Schreibstil und löst spätestens nach 15 Minuten des Lesens Gähn-Attacken aus.

Obwohl er die Themen-Touren junger, dynamischer Stadtführerinnen anpreist und dabei leider Iva Silla von Secret Zagreb unerwähnt bleibt, liest sich der Zagreb Reiseführer wie eine traditionelle Stadtführung, bei der historische Fakten trocken und ohne Pep wiedergekäut werden. Außerdem werden eine Reihe von Infos mehrmals wiederholt. Da fragt man sich: Ist das ein Fehler des Lektors oder denkt sich Mauch, dass man seinen Reiseführer je nach Interessenschwerpunkt quer liest?

Burg Medvedgrad bei Zagreb
Foto: Kroatien-Liebe

Ausflugstipps fürs Zagreber Umland

Sobald man literarisch durch Zagreb getrottet ist, geht es auf den Berg Medvednica mit dem Gipfel Sljeme – das beliebte Ausflugsgebiet der kroatischen Hauptstädter. Auch wenn das Wort „medvjed“ auf Deutsch „Bär“ bedeutet, stolpert man ein bisschen häufig über das Wort „Bärenberg“. Oder würde ein kroatischer Autor in einem Berlin-Reiseführer den Grunewald als „zelena šuma“ bezeichnen? 😉

Übersetzung hin oder her: In diesem Kapitel werden einige Wanderstrecken und die Burg Medvedgrad genannt, ehe es weitergeht in das schmucke Städtchen Samobor, zu den Schlössern im Zagorje oder in den Wallfahrtsort Marija Bistrica. Mainstream-Reiseziele sind das nicht, schließlich konzentriert sich der Großteil der Reisenden aus Deutschland und Österreich immer noch auf die sommerliche Adriaküste.

Markuskirche in Zagreb
Foto: GoranH / Pixabay

Reise-Tipps von A bis Z und Fazit

Zusätzlich liefert Mauch wertvolle Anreise- und Klima-Tipps, macht einen Abstecher in die kroatische Geschichte und gibt den Lesern die wichtigsten Vokabeln und Sätze zur Grundverständigung auf Kroatisch mit auf den Weg.

Kunst- und Kulturinteressierte finden einen Überblick über Zagreber Theater, Museen und Galerien, wobei in puncto Moderna Galerija unerwähnt bleibt, dass im Obergeschoss brandneue Kunstwerke des 21. Jahrhunderts ausgestellt werden. Das Museum der zerbrochenen Beziehungen trägt im Zagreb Reiseführer fälschlicherweise den Namen „Liebeskummer-Museum“ – schließlich stammen einige der Exponate doch gar nicht nur aus kaputten Paar-Liaisons!

Recht dürftig erscheint die Übersicht über Unterkünfte und Restaurants. Wer Zagreb bereits kennt, vermisst das Nokturno, wo preiswert leckere kroatische und internationale Gerichte serviert werden. Auch vom Štrukli-Lokal La Štruk genau gegenüber fehlt jede Spur.

Fazit: Das Buch lohnt sich für historische Eckdaten und Hintergrundwissen über Zagreb. Das authentische Lebensgefühl gibt es allerdings nur vor Ort!

Uwe Mauch
ZAGREB
Mit Samobor, Naturpark Žumberak, Marija Bistrica und dem Zagorje
4. aktualisierte Ausgabe 2018
288 Seiten, 170 Fotos und historische Abbildungen, 18 Stadtpläne und Übersichtskarten
Trescher Verlag Berlin
16,95 Euro
ISBN 978-3-89794-419-0

Autor

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Annika Senger
Annika Senger ist Gründerin und Chefredakteurin des Reise- und Kulturportals Kroatien-Liebe. Die passionierte Bloggerin und Reisevermittlerin interessiert sich für Reisen, Musik, Literatur, Sprachen, Kochen und Fotografie.
Adresse: Berlin, Deutschland

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