Urlaub nach Corona: Zurück zur Natur?

Urlaub nach Corona in Kroatien

Wie wird der Urlaub nach Corona wohl aussehen? Ende 2020 ist es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Was habe ich aus dem allgemeinen Stillstand, dem Rückzug in die häusliche Umgebung und der Innenkehr gelernt? Wir stehen in vielen Bereichen unseres Lebens an einem Scheideweg, auch beim Thema Reisen. Wollen wir zurück zum Pauschal- und Massentourismus? Zurück zu riesigen Kreuzfahrtschiffen, deren Passagiere historische Perlen wie Dubrovnik und Venedig überrennen? Müssen wir wirklich 760 Kilometer mit dem Flugzeug überbrücken? Das ist die ungefähre Luftlinien-Distanz zwischen Berlin und Zagreb.

Kurz nach dem Beginn des ersten Lockdowns Ende März ließen sich nachdenklich stimmende Phänomene beobachten. Der Himmel strahlte in einer fast schon in Vergessenheit geratenen Klarheit. Anstelle von Kreuzfahrt-Kolossen hätten sich im Hafen von Dubrovnik Delfine getummelt, berichtete ein Stadtführer. Derweil war es in Berlin endlich wieder möglich, frei durchzuatmen. Die Natur scheint den Menschen alles andere als zu vermissen.

Umweltbewusster Urlaub nach Corona

Vor dem Ausbruch der Pandemie war monatelang über die Klimakrise diskutiert worden. Keine Regierung der Welt kam jedoch auf die Idee, zum Schutz des Planeten die Reisefreiheit zu beschränken und die Wirtschaft herunterzufahren. Der Partytourismus durfte boomen, regelmäßig wurden neue internationale Flugverbindungen nach Kroatien eröffnet – verzugsweise für Gäste aus China und den USA. Die kroatische Zentrale für Tourismus rühmte sich mit wachsenden Zahlen, während an den Plitvicer Seen ein Abwasserproblem aufkeimte und die ach so kristallklare Adria zunehmend unter Plastikmüll und Fäkalien litt. Ein Turm zu Babylon kurz vor dem Einsturz!

Wollen wir tatsächlich zurück zu dieser alten Normalität? Haben wir nicht genügend gute Gründe, den Urlaub nach Corona bewusster und mehr im Einklang mit der Natur zu gestalten? Drei Strategien für zukünftige Reiseplanungen bringen dich in die Verantwortung, von der die Umwelt und der Mensch gleichermaßen profitieren. Denn: Umweltschutz ist Gesundheitsschutz. Eine gesunde Umgebung fördert die Vitalität und stärkt das Immunsystem.

Naturhäuschen in Kroatien
Naturhäuschen in Kroatien, Foto: Naturhäuschen.de

Zeitgemäße Reisestrategien in Kroatien und anderswo

1. Naturhäuschen statt Bettenburgen

Deine Urlaubsunterkunft sollte ein Wohlfühlort sein, eine Oase der Erholung, wo du für eine begrenzte Zeit zu Hause bist. In Kroatien ist es möglich, im nachhaltigen Naturhäuschen, in privaten Apartments, gemütlichen Pensionen oder auf Öko-Campingplätzen zu übernachten. Hier hast du nicht nur direkten Kontakt zur Natur, sondern auch zu Kroaten, die für ihre herzliche Gastfreundschaft bekannt sind.

Hinter Bettenburgen und Kreuzfahrtschiffen stehen große Konzerne, deren primäres Ziel Gewinnmaximierung ist. Kannst du dich in einem Mega-Hotel mit all dem dazugehörigen Gewusel richtig entspannen? Fühlst du überhaupt noch eine Verbindung zu deinem Urlaubsland und dessen Natur? Wieviel Kroatien hast du bei den Landgängen während deiner letzten Kreuzfahrt kennengelernt? In der Regel dauern solche Stippvisiten nur wenige Stunden. Die meiste Zeit deines Urlaubs verbringst du in einer künstlichen Welt an Bord, wo Völlerei und Unterhaltung bis zum Abwinken angesagt sind (ein Urlaubsvideo meines Bruders spricht Bände …).

2. Individuell statt pauschal

Halte also in der Ära nach Corona Abstand zu Pauschalreiseunternehmen und buche individuell oder bei kleineren Veranstaltern. Beispielsweise kannst du dich einer organisierten Wanderreise mit einer überschaubaren Teilnehmerzahl anschließen. Die kleinen Reiseveranstalter kennen in der Regel die besten Geheimtipps, wenn es um Naturschönheiten, Einkehrmöglichkeiten auf Öko-Bauernhöfen und Restaurants geht.

3. Fahrrad statt Flugzeug

Corona hat den Flugverkehr zuerst lahm gelegt und dann dramatisch reduziert. Viele Menschen dürfte es gelehrt haben, nachhaltiger zu reisen. Nach meinen zahlreichen dekadenten Flugreisen 2019 bin ich dieses Jahr aufs Fahrrad umgestiegen. Auf meinen Etappen nehme ich die Umgebung intensiver wahr – die Veränderungen der Landschaft, die Gerüche und Farben. Außerdem schenkt es mir Zeit zum Nachdenken und die Freiheit, überall anzuhalten, wo es mir gerade gefällt.

Ob du auch Spaß am Radfahren hast, hängt natürlich von deinem persönlichen Fitnesslevel ab. Per Bus, Bahn oder Schiff kannst du dich ebenfalls deinem Ziel nähern, zur Ruhe kommen und neue Kontakte knüpfen. Wenn ich zum Beispiel Zeit an Bord einer Fähre verbringe, steigert das meine Vorfreude auf mein Reiseziel. Gewöhnlich habe ich ein Notizbuch im Gepäck und sammele Ideen für meine Reisegestaltung.

Und du? Hast du schon Ideen für deinen Urlaub nach Corona? (as)

Autor

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Annika Senger
Annika Senger ist Gründerin und Chefredakteurin des Reise- und Kulturportals Kroatien-Liebe. Die passionierte Bloggerin und Reisevermittlerin interessiert sich für Reisen, Musik, Literatur, Sprachen, Kochen und Fotografie.
Adresse: Berlin, Deutschland

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